Bulimie

Bulimie, Magersucht, Esssucht – Essstörungen können sich unterschiedlich äußern. Gemeinsam ist ihnen, dass die Liebe zu sich selbst, zum eigenen Körper, die reine Freude an der Empfindung und manchmal auch am ganzen Leben auf dieser Erde fehlt – obwohl die Sehnsucht danach groß ist. So ist auch die Bulimie nur ein Symptom und nicht das Problem.

Linda Kohanov hat bei der Entwicklung des EponaQuest-Ansatzes, einer neuen Form des pferdegestützten Erfahrungslernens, einen Satz geprägt, der zusammenfasst, warum Pferde wertvolle Helfer auf dem Weg zu einem neuen Erwachen aus der Bulimie sein können. Sie spricht davon, dass »das Pferd der Körper ist, auf dem dein Geist reitet.«

Pferde bringen uns Frauen in Verbindung mit unserem eigenen Körper. Sie konfrontieren uns mit unseren Gefühlen, mit unserer Sensibilität und Empfindsamkeit und den daraus erwachsenden Stärken, aus denen gerade wir Frauen eine besondere Kraft schöpfen können. Denn Pferde sind kraftvolle Lebewesen, die den Frieden lieben und eine eigene Weisheit des Überlebens entwickelt haben.

Nicht umsonst ist die besondere Beziehung zwischen Frauen und Pferden eine uralte archetypische Verbindung. Sie reicht weit in die Menschheitsgeschichte zurück und ist bis heute unverändert lebendig. Und in archetypischen Kräften wie diesen schlummert die Selbstheilungskraft der Seele.

Im Workshop-Programm für Frauen und Mädchen mit Bulimie nutzen wir dieses besondere Geschenk des Lebens, um neue Wege zum Umgang mit der Essstörung zu gehen.

Aus unserer Erfahrung mit vielen Gruppen und Einzelsessions wissen wir, dass Pferde besonders sensible Ebenen und verschlossene Bereiche im Menschen erreichen. Und dass essgestörte Mädchen und Frauen ihnen dazu oft leichter Zugang erlauben als einem menschlichen Therapeuten. Alice Miller beschreibt die Hintergründe in ihrem Buch »Die Revolte des Körpers«:

»Wir wissen, dass viele Jugendliche (und Erwachsene) der Psychatrie mit Misstrauen begegnen. Sie lassen sich nicht leicht davon überzeugen, dass man es »gut mit ihnen meint«, auch wenn dies durchaus der Fall sein könnte. Sie erwarten … all das, was ihnen von klein auf bekannt und suspekt ist. Der Therapeut muss sich das Vertrauen seines Patienten erst verdienen, aber wie kann er das, wenn sein Gegenüber immer wieder hat erfahren müssen, dass sein Vertrauen missbraucht wurde? Muss er nicht monate- oder jahrelang am Aufbau einer tragenden Beziehung arbeiten?

Ich glaube nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch sehr misstrauische Menschen aufhorchen und sich öffnen, wenn sie sich wirklich verstanden und angenommen fühlen. … Das Angebot eines ehrlichen Verstehenwollens ist sehr schnell erkennbar, weil es nicht vorgetäuscht werden kann. … Das würde der Körper früher oder später merken, und auch die schönsten Worte werden ihn, zumindest auf die Dauer, nicht beirren können.«

(in: Die Revolte des Körpers, Suhrkamp 2004, S. 182f.)

Das Programm besteht aus Workshops und Begleitung in der Zeit dazwischen. Es ersetzt keine Therapie. Kann diese aber auf besondere Weise unterstützen.