Träume verwirklichen

Jeder Traum beginnt mit einer Frage. Mit welcher Frage hat Ihr Traum begonnen?

Meine Frage, war die nach dem Sinn meines Lebens, nach meiner Lebensaufgabe, meiner Berufung. Dies und ein schwieriges Pferd haben mich auf die Reise geschickt.

Werden wir konkret: Welchen Traum haben Sie verwirklicht?

Mein Traum ist es das Leben von Menschen und Pferden zu verändern, zu verbessern. Beides gehört für mich zusammen.

Die Pferde spiegeln uns Menschen. Dadurch können sie uns helfen unser eigenes Leben besser zu verstehen. Sie zeigen uns Verhaltensmuster, die uns bremsen. Oft können wir selber nicht sehen, was uns hindert ein zufriedenes Leben zu führen. Pferde führen uns auf die sogenannte Gefühlsebene und arbeiten hier mit uns. Nur auf dieser Ebene findet tatsächliches Wachstum, tatsächliche Veränderung statt. Ich kann mir auf Verstandesebene vornehmen, mich zB. bei meinem Chef zu behaupten, aber allein der Vorsatz macht mir die Umsetzung nicht leichter. Pferde können uns hier viel lehren, wir machen die körperliche Erfahrung, spüren, wie es sich anfühlt, seinen Standpunkt zu vertreten, klar aber nicht provokant. Pferde zeigen auf, völlig wertfrei und die meisten Menschen können das gut annehmen und öffnen sich so für Veränderungen.

Ist der Mensch nun selber Pferdebesitzer und mit sich selbst mehr im Reinen, erkennt er seine Muster, verändert dies die Beziehung zu seinem Pferd und das wiederum tut dem Pferd gut. Auch auf der reiterlichen Ebene ist es mein Bestreben, das Leben für Pferd und Reiter angenehmer zu machen. Reiten soll vor allem Freude machen und zwar Pferd und Reiter. Für die meisten Menschen ist ihre Pferdezeit Freizeit, in vielen Pferd Mensch Beziehungen regiert jedoch der Stress. Deshalb biete ich Reitunterricht, der Physiotherapie für das Pferd ist und dem Menschen Leichtigkeit und Freude vermitteln soll.

Ich komme aus der Schulmedizin und hatte hier zunehmend weniger das Gefühl, dem Menschen wirklich helfen zu können. Das was ich in meiner Freizeit in der Pferdewelt gesehen habe, war für mich auch nicht zufriedenstellend. Mit der EponaQuest Arbeit, begründet von der Amerikanerin Linda Kohanov, habe ich einen Weg gefunden mit dem ich sowohl dem Pferd als auch dem Mensch „Gutes“ tun kann.

Manche Träume brauchen ihre Zeit. Wie lange hat es bei Ihnen gedauert, von der ersten Idee bis Sie Ihren Traum verwirklicht hatten?

Das „Vorgeplänkel“ war schon lange da, die Sehnsucht nach etwas anderem, nach meiner Berufung, nach Erfüllung. Dieses Bedürfnis ist langsam aber stetig

Gewachsen. Als ich dann meine Vision hatte, meinen Traum klar sehen konnte, ist es recht fix gegangen. Binnen eines Jahres hatte ich meinen Beruf aufgegeben, einen kleinen Hof gefunden und mein Unternehmen gegründet.

Der direkte Weg ist selten der kürzeste. Welchen Herausforderungen und Hindernissen sind Sie begegnet und wie sind Sie damit umgegangen?

Ich glaube das größte Hindernis war ich mir selbst. Lange wusste ich nur, dass ich auf der Suche nach irgendwas war, sowohl in meiner beruflichen Umgebung als auch in der Pferdewelt .

Eine Idee, was ich ändern wollte, fehlte mir allerdings auch.

Durch ein schwieriges Pferd bin ich auf die Bücher von Linda Kohanov gestoßen und habe hier viele Anregungen gefunden. In der Umsetzung habe ich nicht nur die Veränderung bei den Pferden sondern vor allem auch in mir gespürt. Damit begann mein Weg, zuerst nur für mich. Kein Gedanke daran, dass dies etwas sein könnte, dass meinem Leben eine ganz neue Richtung geben wird.

Ich habe mich dann von Linda Kohanov zum EponaQuest® Instructor ausbilden lassen, bin mittlerweile EponaQuest® Advanced Instructor. Das kombiniert mit meinem Medizinerwissen, meinen Aus- und Weiterbildungen in Akupunktur, Manualtherapie, energetischem Heilen und den vielen verschiedenen „Pferdeausbildungen“ macht mich heute zu dem was ich bin und zu meiner sehr individuellen Art mit Pferd und Mensch umzugehen.

Schwierig war für mich, dass ein paar Menschen von denen ich ganz selbstverständlich Unterstützung und Verständnis erwartet habe, sehr negativ reagiert haben. Ich fand es sehr enttäuschend und hatte Schwierigkeiten mit diesen Menschen weiter umzugehen.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer und was haben Sie dabei unterstützt, Ihren Traum zu verwirklichen?

Das sind ganz viele unterschiedliche Menschen. Meine Familie, manche Freunde, von denen ich es gar nicht erwartet hätte, eine verständnisvolle Bankerin, meine Ausbilderinnen Carol Roush, Marie Louise Gould sind nur einige.

Aber auch das Universum hat seinen Teil dazugetan, zB. haben meine Eltern, die sich schon Sorgen gemacht haben, beim Radeln ein Ehepaar kennengelernt, das spontan gesagt hat: „Wir kennen so viele Menschen, die in ihrem Job unglücklich und unzufrieden sind und dadurch krank werden, wenn ihre Tochter den Mut hat so was ganz anderes zu tun, dann sollten sie sie unterstützen.“

Ich bin auch immer wieder auf ermutigende Berichte oder auf schöne Erlebnisse gestoßen, habe Begegnungen gehabt, die mich auf meinem Weg bestärkt haben.

Und last but not least sind bei mir natürlich vor allem die Pferde zu nennen, die Zufriedenheit, das Glück, die Ruhe und Gelassenheit, aber auch die Kreativität und die Energie die ich mit ihnen täglich aufs Neue erlebe, bestärken mich und helfen mir auch über so manche Klippe des Alltags hinweg. Sie helfen mir auf meinem Weg zu bleiben, mich zu hinterfragen, weiterzuentwickeln und zu wachsen, aber sie lehren mich auch nett und großzügig mit mir selbst umzugehen, mich so zu akzeptieren, wie ich bin mit all meinen guten wie auch nicht so guten Eigenarten.

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolges. Was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg?

Zum einen, dass ich mir sicher sein muss, was ich will und was für mich das Richtige ist. Ist es ein klares JA!!! werde ich unabhängig von der Meinung und Anerkennung anderer und kann dann meinen Traum leichter umsetzten.

Zum anderen mache ich es mir leichter, wenn ich anderen erst von meinen Träumen erzähle, wenn ich sie für mich ganz klar habe. Es besteht sonst die Gefahr, dass andere mir meine Träume zerreden. Wenn man sich in so ungewisse Gefilde begibt, dann sind die eigenen Ängste und Zweifel schon groß genug, da braucht man die von anderen nicht noch erschwerend.

Und egal, was aus dem Traum auch wird, eins habe ich in der Sterbebegleitung von Patienten gelernt. Kurz vor ihrem Tod betrauern Menschen nicht ihre „Fehlschläge“, sondern die verpassten Gelegenheiten, die Träume, die nie gelebt wurden. Und das hatte ich auf der Suche nach meiner Berufung, nach meinem Sinn im Leben immer vor Augen.

Ausblick auf die Zukunft: Welchen Traum wollen Sie als nächstes realisieren?

Mein Traum ist ja nicht abgeschlossen, ich möchte ihn weiter so umsetzten und leben und dadurch meinen Teil dazu beitragen, das Leben von Pferd und Mensch zu verändern, zu verbessern.

Aber zwei Projekte stehen in naher Zukunft an. Das eine steckt noch so in den Kinderschuhen, dass ich noch nicht drüber reden mag. Dass andere ist ein fortbildungsverifiziertes Programm für meine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Ich glaube die Medizinerwelt kann ein bisschen Pferdeweisheit vertragen.

Gedanken zur Führung

IMG_8965

Ich sehe jemanden, der vorne läuft und zu dem die anderen „aufschauen“.

Ich bewundere denjenigen und möchte mich sofort „anpassen“ bzw. anschließen.

Ich frage mich, ob der Führende glücklich sein kann, mit dem Wissen, dass er führt.

War er schon immer in dieser Position oder hat die Zeit das mit sich gebracht?

Kann ich führen? Möchte ich führen?

Es hat etwas mit Verantwortung übernehmen zu tun. Schaffe ich das? Was passiert, wenn ich falsche Entscheidungen treffe? Wie treffe ich Entscheidungen? Kann ich Entscheidungen treffen?

Es ist schön, in einer Gruppe zu sein, in der Harmonie herrscht und jeder seine Position leben kann.

Aber wovon hängt das ab?

Wie kann ich meine Rolle wahrnehmen/beeinflussen? Hat man diese Eigenschaft oder erlernt man sie?

 

Gedanken zur Führung von Birte Haas

Linda Kohanov hat in Deutschland ihr POH Programm vorgestellt

Linda Kohanov war in Deutschland und hat ihr POH Programm als Fortbildung für EponaQuest® Instuctoren unterrichtet.

Linda Kohanov

Linda Kohanov

Es waren fünf wundervolle, inspirierende Tage, die mir jede Menge neue Eindrücke und Erkenntnisse gebracht haben. Linda Kohanov ist für mich eine echte Visionärin. Ihre Ideen sind so innovativ und haben das Potential wirklich etwas zu verändern…. in meinem eigenen Leben, im Arbeitsleben, in der Geschäftswelt .

...mal kurz fremd- flirten...

…mal kurz fremd- flirten…

...schnell wieder aufpassen...

…schnell wieder aufpassen…

...und konzentriert mitarbeiten...

…und konzentriert mitarbeiten, der eine so…

..oder so, fleißiges übersetzten...

..die andere so, fleißiges Übersetzten…

Es haben 21 Instructoren aus acht Nationen teilgenommen.

Das “Power of the Herd” Training ist ein Programm, das sich intensiv mit einer innovativen Form der Führung befaßt. Es geht um die vier Anteile des “Meister- Herdenführers”.

1. Der Dominante

2. Der Leader

3. Der Versorger/ Gefährte und

4. Die Raubtierkraft.

Es werden theoretischer Hintergrund und praktische Übungen gelehrt, die die Stärken und Schwächen der einzelnen Anteile verdeutlichen und ihre Umsetzung erleichtern.

Zudem gibt es 12 Führungsprinzipien, die einem helfen, diesen “neuen” Führungsstil umzusetzen.

1. Nutze Gefühle als Information

2. Höre auf Dein Pferd

3. Manage ansteckende Gefühle produktiv

4. Meister Grenzen und Durchsetzungsfäigkeit

5.Enwickle ein “hohe Toleranz für         Verletzbarkeit”

6. Wähle “Dein” Programm, sei Dein eigener Programierer

7. Konserviere Energie für wahre Notfälle

8. Nutze nicht – raubtierhafte Macht großzügig und raubtierhafte Macht sparsam

9. Bereite Dich auf schwierige Gespräche vor

10. Lebe “consenual Leadership”, Führung im gegenseitigen Einvernehmen

11. Kutiviere “Emotionales Heldentum”

12. Enjoy the ride, habe Freude an der Umsetzung.

Ausführlich und für jeden zugänglich beschreibt Linda Kohanov dies in ihrem Buch “Power of the Herd”, das zur Zeit jedoch nur auf englisch erhältlich ist. Eine deutsche Ausgabe des Buches ist in Vorbereitung.

Mit Begeisterung habe ich nun als POH- Instructor Linda´s Ideen in meine eigenen Seminarkonzepte für Führungskräfte integriert und habe viel Spaß an der Umsetzung.

All POH 2014 Germany

 

 

Authentisches Selbst- von F.J. Basner entstanden während des Seminar es WuWei

Mein authentisches Selbst

 

Ich bin.

Ich bin mir wichtig.

 

Das sind meine Erfahrungen – und Du wirst Deine machen.

Ich lasse mich auf neue Erfahrungen ein,

ich probiere aus.

 

Ich spüre mich, meine Kraft, meine Stärke,

wenn ich mich selber vertrete und meine tiefsten Überzeugungen.

 

Gelernte Glaubenssätze sollen mich nicht bestimmen,

sondern Erfahrungen –

was ich erlebt habe, ist mir wichtig,

und wo ich spüre, dass Wachstumsprozesse stattfinden.

 

Wohin ich wachse, kann ich noch nicht genau sagen,

aber ich bin lebendig.

Ich werde.

 

 

Arnsberg-Herdringen, 06.07.2014

Copyright Franz-Josef Basner

Grenzen verändern die Welt….

Es ist immer wieder schön für mich, von Teilnehmern zu hören, wie sich ihre Beziehung zu ihrem eigenen Pferd durch ein Seminar verändert. Viele Menschen haben Angst, dass  zB. die “Grenzübung” nur mit meinen Pferden funktioniert, ihr eigenes das aber nicht “kann”. Es mag sein, dass es mit dem eigenen ein paar Versuche dauert. Wir vertrauen ja auch nicht gleich darauf, dass jemand sein Verhalten dauerhaft ändert, nur weil er einmal etwa anders gemacht hat….

Silke hat ihre Erfahrung mit ihrem eigenen Pferd Condor beschrieben und läßt uns erfreulicherweise daran teilhaben….

Condor, die Grenzen und ich

Seitdem ich bei dir all die neuen Erfahrungen rund um das Thema Grenzen gemacht habe, habe ich versucht, das zu großen Teilen auch in meinen Alltag zu übertragen – und am leichtesten ist das für mich nun mal mit Condor. Also stellte ich ihn frei auf den Reitplatz und näherte mich sehr achtsam an seine Grenzen an. Ich war erstaunt, wie deutlich seine Rückmeldungen waren und wie leicht es mir fiel, seine unwillkürlichen Signale zu sehen aber auch zu spüren. Condor schien einerseits verwirrt – weil er einen solchen Umgang von mir nicht kannte – andererseits aber auch positiv überrascht. Wir blieben eine Weile auf der Distanz stehen, die in dem Moment für uns passend war (zwischen uns lagen bestimmt gute 5m), danach entfernte ich mich wieder von ihm und kam aus einer anderen Richtung erneut auf ihn zu. Spätestens bei der zweiten Annäherung schien er mir zu glauben und entspannte sich ganz deutlich: der Kopf ging nach unten, er kaute und entlastete die Hinterhand. Zwischen uns machte sich, trotz der räumlich gesehenen großen Distanz, eine unglaubliche Nähe breit, eine Art Verbindung, die ich so noch nicht mit ihm erlebt hatte.

Zwei Tage später longierte ich Condor und am Ende stand er auf voller Longendistanz zu mir, sah mich ganz konzentriert an, kaute und wandte sich mir zu. Gespannt, was passieren würde, wartete ich in der Mitte ab und überließ ihm die Initiative. Es war unglaublich: er näherte sich wirklich mir an – und ging unglaublich behutsam mit meinen Grenzen um! Als er zum ersten Mal, nach nur wenigen Schritten, anhielt, glaubte ich noch an einen Zufall, beim nächsten Hotspot war mir aber klar, dass er wirklich auf meine Reaktionen einging und ganz auf mich konzentriert war. An manchen Punkten verweilte er lange, wir standen uns gegenüber und wieder war da diese unbeschreibliche Verbindung, so intensiv, dass man sie hätte greifen können.

Seit diesen zwei Erlebnissen hat sich grundlegend etwas für uns beide verändert. Obwohl ich auch vorher immer bemüht war, auf seine Bedürfnisse zu achten und ein Auge auf sein Wohlbefinden hatte, gehen wir nun noch achtsamer und liebevoller miteinander um. Mittlerweile ist es zu einem neuen Ritual geworden, das meistens Condor einfordert, so dass wir nach getaner „Arbeit“ oft noch beieinander stehen, der eine sich an den anderen annähert oder wir ein gemeinsames WuWei machen. Nie geht er zufriedener wieder zurück in den Stall als an den Abenden, an denen wir noch „freie Zeit“ miteinander verbracht haben. Unser persönlicher Raum ist auf beiden Seiten deutlich kleiner geworden, heute zum Beispiel wurde ich von ihm ganz deutlich eingeladen, direkt und schneller auf ihn zuzukommen, als ich an einer Linie verweilte. Condor hält sich viel lieber und vor allem viel entspannter in meiner unmittelbaren Nähe auf, er folgt mir frei, ohne dass ich ihn darum bitten muss, er kommt mich auf dem Paddock begrüßen und ist sofort „da“. Durch seine Vorgeschichte bedingt waren Berührungen im Gesicht und an den Ohren sehr schwierig, wir hatten uns auf einer Basis arrangiert, dass ich, wenn nötig, ihn dort anfassen durfte, ihn aber ansonsten auch in Ruhe gelassen habe. Seit unserem gegenseitigen achtsamen Umgang mit unseren Grenzen sind Berührungen im Gesicht nicht nur akzeptiert, sondern gern gesehen. Immer wieder bittet er mich, ihm die Ohren oder die Stirn zu kratzen, er lehnt sich gegen meine Schulter und hat ein viel tieferes Vertrauen.

Es ist unglaublich, eigentlich eine Kleinigkeit, die wir verändert haben, aber dadurch hat sich wirklich alles einmal grundlegend ins Positive gedreht…

Lieber Gruss

Silke und Condor

Druck erzeugt Gegendruck, nicht nur in der Physik

Letzte Woche habe ich mir einen kleinen Wallach angeschaut, der zum anreiten zu mir kommen soll.

Der kleine hat noch einen echten Babybell  – Charme und ich hätte ihn deutlich jüngerer geschätzt als er tatsächlich war. Da er so klein und schmächtig war, hat der Besitzer mit dem anreiten bis heute gewartet, jetzt ist er fünf. Und sieht grade so aus, als ob man mit ihm anfangen könnte.

Wie immer fragte ich, ob es irgendetwas Besonderes zu beachten gibt, im Umgang, in der Fütterung etc. Der Besitzer erzählte, dass Joe ein ganz nettes Pferd sei, er hätte nur echte Schwierigkeiten mit weichen. Es sei egal, ob er mit der Hinterhand oder der Vorhand weichen soll oder ob er rückwärts weichen soll, es sei immer schwierig. Die Antwort auf die Frage, was denn passiert, wenn… war: soll er hinten weichen rennt er weg, soll er vorne weichen oder rückwärtsweichen steigt er.

 

Ich habe zunächst mit dem Weichen der Hinterhand begonnen, weil es für die meisten Pferde sehr einfach umzusetzen ist. Meine Fingerspitzen legeren sich ganz leicht an seine Kruppe und kaum hatten meine Finger Kontakt lehnte Joe sich dagegen. Auch nur leicht, aber fühlbar. Verstärkte ich den Druck ein wenig, lehnte sich auch Joe dagegen.

 Druck erzeugt Gegendruck. Diese Weisheit gilt nicht nur in der Physik sondern auch bei Pferden. Ein Pferd muss erst lernen, dem Druck zu weichen. In Joe’s Fall haben die Menschen nur vergessen Joe dieses kleine aber wichtige Detail zu erklären. Im Versuch ihn weichen zu lassen haben sie immer weiter den Druck erhöht und Joe hat dagegen gedrückt und wenn er dann nicht mehr weiter wusste hat er irgendeinen Ausweg genommen und stieg er oder rannte weg, dann hörte der Druck halt auf.

Bei Joe habe ich in der Berührung im Prinzip nur mit den Fingerspitzen “gekitzelt”, so dass gar nichts da war, an das er sich lehnen konnte. Dese leichte Berührung hat dazu geführt dass er sein Gewicht minimal auf das andere Hinterbein verlagert hat. Diese kleine Verlagerung reicht mir schon aus, und die Berührung aufzuhören und ihn zu loben. Das Ganze haben wir mehrfach wiederholt und die Berührung konnte konstanter werden. Als er sicher auf Berührung das Gewicht auf das andere Hinterbein verlagerte statt sich gegen meine Hand zu lehnen, konnte ich ein klein wenig “schubsen” und das innere Hinterbein trat einen halben Schritt zur Seite. Wieder ganz ausführlich loben und ihm damit klarmachen, das es das ist, was ich von ihm will.

Bis hier her hat das Ganze keine 10 min gedauert. Wir haben Joe dann einen kleinen Moment Pause gegeben, damit er seine neuen Erkenntnisse verarbeiten kann. Dann haben wir genauso weitergeübt und Joe ist ganz willig mit der Hinterhand zu Seite getreten. Er konnte dieses weichen vor Druck auch sehr leicht mit in die Rückwärtsbewegung nehmen. Berührung am Brustbein mit den Fingerspitzen, leichtes Schaukeln nach hinten, loben… Und auch hier dauerte es nur wenige Minuten bis er die ersten Schritte rückwärts ging.

Das Weichen der Vorhand heben wir uns für die nächste Trainingseinheit auf. Joe ist durch das ganze Seil-Geschwinge und Stock- Gewedel sehr misstrauisch, was seinen Kopf angeht. Ich möchte ihn erst Vertrauen fassen lassen, möchte gucken, ob ich ihn dazu bringen kann, dass er von sich aus Kontakt mit seiner Nase und seinem Kopf aufnimmt, bevor wir am Vorhand weichen lassen arbeiten.

Joe kommt demnächst zu mir und wird ein paar Wochen bleiben, von daher haben wir auch alle Zeit der Welt, um es für ihn angenehm zu gestalten.

Euch noch einen schönen Tag

Christiane

Die erste Begegnung- oder eine Liebeserklärung an das Pferd

Letzten Sonntag durfte ich miterleben und ansehen, wie schön die erste Begegnung eines Menschen mit einem Pferd sein kann. Da keiner sein Erlebniss so schön in Worte fassen kann, wie derjenige der selbst die Erfahrung gemacht hat, habe ich Ralf gebeten es einfach mal aufzuschreiben. Und hier ist sie nun, Ralf´s Erfahrung:

“Mein erstes nähere Zusammentreffen mit Pferden.
 
Was mir dabei durch den Kopf ging und wie ich es empfunden habe. So eng und nah bei Pferden, ohne Barriere oder Zaun dazwischen, war ich noch nie.
 
Ich, der bekennende Realist, habe etwas empfunden was ich so direkt nicht hätte glauben wollen. Wie soll ich es beschreiben? Ich muss mir die Worte genau überlegen.
 
Ich kam in die große Reithalle wo Katrin meine Frau, Malte mein Sohn und Christiane mit den 4 Pferden waren. Katrin striegelte Coffee, Malte spielte mit und in dem torfigen/sandigen  Boden der Halle, wobei Christiane immer die Beobachtung oder besser gesagt die Aufsicht und den Überblick auf Mensch und Tier behielt. 
 
Durch mein Erscheinen wurden die Tiere nicht wirklich unruhiger aber durch mein Näherkommen bemerkte ich wie die Ohren in meine Richtung Interesse signalisierten. Ohne Probleme konnte ich
mich Fabuh nähern, die ausgestreckte Hand wurde dankbar aber vorsichtig angenommen, beschnuppert und auch mal berührt. In den meisten Situationen, wenn die Initiative von mir ausging, ging der Kopf  zurück, zur Seite oder Fabuh trat einen Schritt zurück. 
 
Als ich mein Desinteresse durch Wegdrehen  von Fabuh demonstrierte, merkte ich ein plötzliches Interesse seinerseits. Ich stand nun still mit dem Rücken in Richtung Fabuh. Ganz langsam, für mich kaum merklich kam der Kopf von Fabuh in meinen Nacken. Die Nüstern berührten unsagbar vorsichtig meinen hinteren Hals, sofort unter dem Haaransatz. Nicht nur einmal kurz, nein, Fabuh blieb so und ich merkte wie die Lippen immer ein wenig und vorsichtig in Bewegung waren. Ich rechnete jeden Augenblick mit einem Biss oder ähnlichem. Nichts dergleichen geschah, er wollte einfach den Kontakt zu mir nicht abreißen lassen. Wenn ich ganz vorsichtig den Druck mit meinem Kopf auf seinen Kopf erhöhte, drückte Fabuh dagegen, sodass wir tatsächlich für einige Zeit wie zusammengehörend vereint waren. Es war für mich ein seltenes aber unglaublich angenehmes, ja schönes Gefühl. Wie eine enge Freundschaft oder pures Vertrauen gegenseitig, kam mir in den Sinn. Noch heute, viele Tage später spüre ich ein seltsames, kaum beschreibbares Gefühl, ja Kribbeln, so wie Gänsehaut,  wenn ich daran denke. Ich habe mir lange überlegt wie man diese Situation mit Menschen vergleichen kann. Mir fällt da nur die Kennenlernphase mit meiner jetzigen Frau ein. Etwas Neues erleben, und Vertrauen darauf und damit zu haben. Neudeutsch könnte und würde man heute vielleicht sagen: ein geiles Gefühl .
 IMG_9471
Was es nicht alles gibt…….”
 
 
 
Ralf
 
 
 

Repair or Repeat

IMG_1444

„Repeat or repair“ mit diesem knappen Statement bringt Wyatt Webb, amerikanischer Psychologe und Begründer der „Equine Experience“ es auf den Punkt.

Immer wieder erleben wir, dass wir an der gleichen Stelle hängen, an der wir schon so oft gehangen haben.

Erst grade war ich bei einer Frau, die Probleme mit ihrer Stute hat. Sie beklagt sich, dass ihre Stute so schreckhaft sei, vor allem und jedem wegspringt und sie im Wegspringen immer wieder über den Haufen rennt. Etwas Ernsthaftes ist zum Glück noch nicht passiert, aber so manch blauen Fleck und ein paar Prellungen hat sie schon davon getragen. Die blauen Flecken und die Prellungen heilen ab, aber die Erwartung des nächsten schrecklichen Ereignisses nehmen zu, werden zum ständigen Begleiter. Die Frau erzählt, dass sie schon ihr letztes Pferd, einen Wallach verkauft hat, weil er so schreckhaft gewesen sei und sie ein paarmal verletzt hat. Auch jetzt werden in ihrer Familie und in ihrem Bekanntenkreis immer mehr Stimmen laut, die ihr raten auch die Stute wieder zu verkaufen. Aber irgendwie hängt sie an ihr und sie hat sie doch so sorgfältig ausgewählt. Die Frau hat lange nach dem „passenden Pferd“ gesucht, hat ein besonderes Augenmerk auf Ruhe und Gelassenheit des Pferdes gelegt. Hat die Stute zigmal ausprobiert, ist sie geritten, war mit ihr spazieren, hat sie verladen, und alles war gut. Aber zu Hause wurde es von Woche zu Woche, von Monat zu Monat schlechter. Sie hat viele verschiedene Dinge ausprobiert, ein anderes Gebiss, ein anderer Sattel, mehr Bewegung, viel Weide, weniger Kraftfutter, Nahrungsergänzungen…..geholfen hat alles nicht.

Nur die eine Frage hat sie sich nicht gestellt: Was hat das Verhalten meines Pferdes denn mit mir zu tun?

Gibt es etwas das ich an mir oder in mir verändern kann, damit meine Stute wieder sicher werden kann?

Erst in der gemeinsamen Arbeit ist ihr dann klar geworden, dass ihre eigene innere Unruhe und Anspannung sich auf das Pferd übertragen. Und zu ihrem Erstaunen hat sie dann herausgefunden, dass es ihrer Stute ausreicht, wenn sie ehrlich mit sich selber wird. Die Angst und die Unsicherheit und auch die innere Anspannung verschwinden nicht von einem Tag auf den anderen, aber in dem sie sich dieser „Gefühle“ bewusst wird, wird sie für ihr Pferd besser lesbar und damit auch berechenbarer.

Pferde nehmen diese, häufig unbewussten, Gefühle in uns wahr, auch wenn wir sie selber nicht spüren und erst recht, wenn wir versuchen sie zu unterdrücken. Es ist nachgewiesen, dass der Puls und der Blutdruck eines Pferdes neben uns ansteigen, wenn unsere eigene Pulsrate steigt. Für das Pferd ist ein Anstieg der Herzfrequenz immer mit einer erhöhten Alarmbereitschaft verbunden. Wahren wir nun den Schein und versuchen uns unsere Angst äußerlich nicht anmerken zulassen oder sind wir soweit von uns selbst entfernt, dass wir selber sie nicht spüren, werden wir für unsere Pferde zu potentiellen Gefahrenquelle. Als Führung sind wir dann für diese Pferde nicht tauglich, sie haben gar keine andere Möglichkeit, als selbst die Führung und die Verantwortung zu übernehmen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Indem diese Frau nun lernt ihren eigenen Körper, ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen und anzuerkennen, wird sie für ihre Stute kongruent, innen und außen stimmen überein. Das führt dazu, dass das Pferd seiner Besitzerin mehr vertraut, auch wenn die Führung noch beim Pferd liegt, aber ein großer Teil der Spannung ist weg. Fällt nun ein Teil der Spannung weg, kann die Besitzerin sich Stück für Stück mehr Sicherheit erarbeiten. Diese Sicherheit kann sie dann wieder an das Pferd weitergeben und sich so als Führungsperson etablieren.

Die beiden, Frau und Stute, sind auf einem guten Weg ein Team zu werden. Was die Besitzerin am meisten erstaunt hat, war, dass wir gar nichts an ihrem Pferd „verändert“ haben, sondern dass die Hauptarbeit bei ihr selber stattgefunden hat.Repeat or repair, repariere oder wiederhole, ist das, was uns das Leben immer wieder serviert. Dabei ist es fast egal, ob es sich um Probleme mit dem Pferd, dem Partner oder auf der Arbeit handelt, solange wir nicht erkennen, was das Problem mit uns zu tun hat, etwas in uns verändern, bekommen wir es aufs neue und neue und neue.

IMG_9455

Kinderweisheit

Jana3

Das ist etwas, das wir Erwachsenen uns von den Kindern abgucken können.

Wie “überbrückt” man die Wartezeit bis Papa einen abholen kommt ?

Man liest ganz entspannt dem Pferd vor. Und wie man sieht, lauscht Charlotta auch ganz interessiert.

Diese Selbstverständlichkeit, mit der das kleine Mädchen davon ausgeht, dass das Pferd ihr nicht nur zuhört, sondern sie auch versteht ist wirklich herzwärmend  :-)

Und das, was Kinder intuitiv wissen, weist zunehmend mehr auch die Forschung nach:

Tiere reden miteinander, in verschiedenen Sprachen, mit Dialekten je nach Region, all das, was für uns Menschen selbstverständlich ist, findet sich in der Tierwelt auch. Wir können es uns oft nur nicht vorstellen.

Das schönste Hobby der Welt ?!?

NI9O1939

 

Eigentlich soll Reiten Spaß und Freude machen.

Letzte Woche hatte ich einen Termin mit einem Paar, bei dem sie die Pferdefrau ist und der Mann nur selten mit den Stall kommt. Während wir redeten, sprach er sein Unverständnis darüber aus, dass man täglich so viele Stunden auch bei schlechtem Wetter im Stall verbringen kann.

Seine Frau antwortete ihm: “Schatz, es macht Spaß und ich kann mich nirgendwo so erholen und so runter fahren wie bei den Pferden.”

Wir entgingen dann gemeinsam in die Reithalle, der Mann betrachtete die rote, zum Teil verkniffenen Gesichter der Reiter, hörte eine Weile den Gesprächen auf der Tribüne zu und kommentierte dann: “Na, so richtig nach Erholung und Spaß sich das hier aber nicht aus.”

Als dann noch eine Frau einen Wutanfall bekam und wie ein Rohrspatz mit ihrem Pferd schimpfte und ihm feste in die Rippen trat, schüttelte der Mann nur fassungslos den Kopf und sagte: “Das nennt ihr Spaß? Ihre Pferdeleute seid schon sehr merkwürdig.”

Und Recht hat er. Für die meisten von uns ist es unsere Freizeit, die wir mit dem Pferd verbringen. Die wenigsten müssen mit der Reiterei Geld verdienen, eigentlich besteht kein Leistungszwang, außer dem, den wir uns selber machen. Und doch treffe ich ständig auf unzufriedene und frustrierte Reiter, die sich gegenseitig, ihrem Pferd und sich selbst das Leben schwer machen.

Woran liegt es, dass die Menschen im Umgang mit dem Pferd oft so verbissen, verkniffen und intolerant sind? Warum fällt es uns so viel leichter, die Fehler nur beim anderen zu sehen und auch entsprechend zu kommentieren und werten?

Pferde schaffen es, uns Menschen sehr schnell auf unsere “Gefühlsebene” zu bringen. Hier angelangt nehmen Gefühle, und gerade die unangenehmen, oft eine eigene Dynamik an, die uns sozusagen “überrollt”.Da wir Menschen aber nie gelernt haben produktiv mit unseren Gefühlen umzugehen, zu erkennen, dass hinter jedem Gefühle eine Botschaft steckt, nehmen wir oft unbewusst den leichten Weg und kehren lieber vor der Tür des anderen, sei es das Pferd oder der Boxnachbar.

Würde ich nun lernen, das Gefühl als Gefühl wahrzunehmen, die Botschaft oder Informationen hinter jedem dem Gefühl zu erkennen, würde dann dieser Information entsprechend handeln, können sich viele der so genannten negativen Gefühle wie Ärger, Frustrationen, Enttäuschung, Angst auflösen, sie werden dann nicht mehr benötigt, sie haben ihren Zweck erfüllt.

Und das gibt mir eine Freiheit und eine Zufriedenheit, die dazu führt, dass das Leben mit dem Pferd und in der Stallgemeinschaft das wird, was es sein soll: Das schönste Hobby der Welt!