Angst und Pferd

©NI9O1227Angst und Pferd, ist das wirklich ein Punkt, der eine eigene Position auf der Webseite braucht?

Ich glaube ja. Kennen wir nicht alle jemanden, von dem wir denken, dass er oder sie Angst vor seinem/ ihrem Pferd hat? Kennen wir nicht alle irgendein Pferd, das besonders ängstlich ist, das auch in vermeintlich harmlosen Situationen kopflos reagiert?

Bei wie vielen Pferdebesitzern nehmen wir als Außenstehende die unterschwellig vorhandene Angst wahr, aber würden wir sie auch bei uns selber wahrnehmen?

Angst ist in unserer Gesellschaft eine sehr negativ belegte Emotion. Wer Angst hat ist ein Feigling, Angst soll man sich NIE anmerken lassen, Angst muss man halt überwinden…. Die Liste der negativen Assoziationen ist endlos. Aber ist Angst als solche wirklich so schrecklich? Oder ist eher das, was wir aus der Angst machen so hemmend?

Angst aus der Perspektive des Pferdes als Beutetier, ist etwas sehr wertvolles. Es ist eine Emotion, die Leben rettet.

So unterschiedlich die Sichtweise.

Ein Pferd als Beute- und Fluchttier ist darauf angewiesen, frühzeitig eine Gefahr wahrzunehmen und dies geschieht durch die Angst, die in dem Pferd aufsteigt. Das Pferd nimmt diese Angst als Information wahr, reagiert entsprechend, bringt sich in Sicherheit und kann dann die Angst auch wieder loslassen. Das ist der natürliche Zyklus, den Angst durchläuft. Sie steigt auf, wird wahrgenommen, liefert ihre Information, man reagiert entsprechend und die Angst hat ihren Zweck erfüllt und löst sich in Luft auf. Auch der Mensch war zu Zeiten des Säbelzahntigers noch so programmiert.

Heute wird Angst oft so verpönt, dass wir einen natürlichen Umgang mit ihr komplett verlernt haben. Ständig unterdrückt, nehmen wir sie oft selber gar nicht wahr, obwohl sie unterschwellig da ist. Die Zahl der behandlungsbedürftigen Angst- und Panikstörungen steigt ständig, ein weiterer Hinweis, dass uns der Umgang mit Angst nicht wirklich gelingt.

Pferde als die sensiblen Flucht- und Herdentiere, die sie nun mal sind, nehmen unsere Angst wahr, auch wenn wir selber sie nicht spüren. Die ein oder andere Erfahrung des Pferdes kommt noch dazu und schon ist das Dreamteam komplett….

IMG_9455In meiner Arbeit lehre ich einen anderen Umgang mit Angst.

Angst ist das Warnsignal der Natur. Lerne ich als Mensch Angst als hilfreiche Information zu erkennen, verliert sie ihren Schrecken und ich kann lernen sie wahrlich “zu meistern”.  Angst, die ständig unterdrückt, versteckt, bekämpft wird, hat die Tendenz, sich immer mehr zu intensivieren. Viele unserer “irrationalen Ängste” sind als solche Intensivierungen entstanden. Entwickele ich nun einen anderen Zugang zur Angst, nehme sie anders wahr, verändert sich mein Umgang mit ihr, verändern sich auch die irrationalen Ängste.

Habe ich einen gesunden Umgang mit Angst, kann auch mein Pferd mir vertrauen, denn ich werde für das Pferd besser lesbar. Bei mir stimmen dann so zu sagen “Innen und Aussen” überein. Es ist also eigentlich egal, ob ich Angst habe oder mein Pferd, die Arbeit der Veränderung beginnt immer bei mir.